E-Mentoring in der Praxis: Meine Erkenntnisse aus drei Lehrgängen

Seit fast vier Jahren bin ich im InnoVET-Projekt UpTrain als E-Mentorin und Spezialistin für E-Learning tätig. Über unsere Erfahrungen mit der Konzeption und Umsetzung digitaler Lehre haben wir bereits ausführlich berichtet (Ein langer Weg zum Ziel: 21 Teilnehmende haben es geschafft! , Digitale Lehre und Zukunft der Mobilität: Erfahrungen aus meiner ersten Zoom-Lehrveranstaltung, Let’s Get Digital). Das Thema E-Mentoring hat dabei jedoch noch keine Aufmerksamkeit erhalten. Dabei ist die Betreuung im digitalen Raum mindestens genauso wichtig wie die Lehrbegleitung vor Ort. Aus diesem Grund möchte ich diesen Blogeintrag nutzen, um meine Erfahrungen sowie Gelerntes zu reflektieren und euch fünf Tipps für ein erfolgreiches E-Mentoring an die Hand zu geben.

E-Mentoring – Was ist das überhaupt?

Als Antwort auf die Frage, was E-Mentoring genau beinhaltet, schweben unterschiedliche Definitionen umher. Für unser Projekt bedeutet E-Mentoring, den Teilnehmenden auf unserer digitalen Lernplattform, der DiVA (Digitale VDV-Akademie), mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Das umfasst unter anderem folgende Aufgabenbereiche:


Administration: Als E-Mentorin nehme ich Aufgaben an, die digital eingereicht werden, leite sie an die entsprechenden Fachexpert*innen weiter und übermittle deren Feedback an die Teilnehmenden. Zusätzlich bestätige ich die Anwesenheiten unserer Teilnehmenden auf der DiVA.


Orientierungshilfe: Ich stehe den Teilnehmenden bei Fragen zum digitalen Raum zur Verfügung: „Warum funktioniert mein Web-Based Training nicht?“, „Warum kann ich dieses Dokument nicht öffnen?“, „Wo finde ich nochmal den Stundenplan?“ Besonders zu Beginn einer Fortbildung, wenn die Teilnehmenden noch nicht so viele Erfahrungen in der digitalen Umgebung gesammelt haben, kommen solche Fragen häufiger auf. Hier kommt mir auch meine Doppelrolle als E-Mentorin und Spezialistin E-Learning zugute.


Newsanchor: Ich kündige an, wann neue Lerneinheiten freigeschaltet werden. Dazu sende ich zu jeder neuen Lerneinheit einen Newsletter aus, der den Teilnehmenden alle wichtigen Infos auf einen Blick vermittelt und sie mit einem Klick auf die DiVA weiterleitet, um mehr zu erfahren.


Meine 5 Tipps für ein erfolgreiches E-Mentoring

1. Sei ein guter Gastgeber / eine gute Gastgeberin: Besonders im digitalen Raum kann man schnell untergehen, wenn man keine Präsenz zeigt. Da unser Ziel jedoch ist, eine gute und vertrauensvolle Beziehung zu den Teilnehmenden aufzubauen, sollten wir regelmäßig Präsenz zeigen. Bei der VDV-Akademie stellen sich E-Mentor*innen immer in der Einführungswoche live vor. Auf der digitalen Plattform sind ein Foto und ein kleiner Vorstellungstext wärmstens zu empfehlen.


2. Halte die Kommunikation klar und offen: Im digitalen Raum kann es leicht passieren, dass man sich isoliert fühlt, wenn keine zeitnahe Rückmeldung erfolgt. Stelle sicher, dass du immer klar kommunizierst, was als nächstes passiert. Wenn eine Aufgabe eingereicht wird, bestätige den Erhalt sofort und erkläre kurz den weiteren Ablauf. Zum Beispiel: „Vielen Dank für die Einreichung! Ich werde dies nun an die Fachexpert*innen weiterleiten und melde mich wieder, sobald ich Feedback erhalten habe.“ Eine transparente Kommunikation hilft, das Vertrauen zu stärken und den Teilnehmenden das Gefühl zu geben, dass sie gut betreut werden.


3. Etabliere deinen eigenen Rhythmus – und bleib dabei: Die vielen kleinen Aufgaben, die in diesen Aufgabenbereich fallen, können schnell unübersichtlich werden. Daher hat es mir sehr geholfen, die Aufgaben für den entsprechenden Zeitpunkt der jeweiligen Lerneinheit in meinem Kalender zu notieren.


4. Fördere Interaktion und Engagement: Ermutige die Teilnehmenden aktiv am Lernprozess teilzunehmen. Dies kann durch regelmäßige Diskussionen, Umfragen oder Gruppenarbeiten geschehen. Interaktive Elemente halten das Interesse hoch und fördern eine stärkere Verbindung zur Lerncommunity.


5. Sei geduldig und flexibel: Jeder Teilnehmende ist anders und es kann Zeit und Geduld erfordern, ihre Bedürfnisse und Vorlieben zu verstehen. Flexibilität ist ebenfalls wichtig, um sich an unerwartete Situationen anpassen zu können.


Mein Fazit

Die Aufgabe der E-Mentorin ist zugleich leichter und schwieriger, als ich es zunächst erwartet hatte. Einerseits bietet die digitale Umgebung flexible und innovative Möglichkeiten zur Unterstützung der Teilnehmenden, die in traditionellen Lehrformaten nicht vorhanden sind. Andererseits erfordert sie auch ein hohes Maß an Organisation, technischem Know-how und Einfühlungsvermögen.


Meine Erfahrungen haben gezeigt: Jeder Lehrgang ist anders. Jede Gruppe von Teilnehmenden bringt ihre eigenen Herausforderungen und Bedürfnisse mit sich. Was in einem Kurs gut funktioniert kann in einem anderen scheitern. Deshalb ist es entscheidend, offen für Feedback zu sein und kontinuierlich nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.


Auch wenn ich meine Arbeit stetig verbessere, weiß ich, dass ich es am Ende nicht jedem Recht machen kann. Und das ist auch gut so! Es ist ein Zeichen dafür, dass wir individuell auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen und nicht nur eine Einheitslösung anbieten. Letztendlich geht es darum, eine unterstützende und positive Lernumgebung zu schaffen, in der sich jeder wohl und ernst genommen fühlt.


Autorin

Kim Möller

Kim ist Spezialistin E-Learning für das InnoVET-Projekt UpTrain und legt viel Wert auf erlebbares digitales Lernen. Während sie im Backoffice Web-Based Trainings gestaltet, ist sie im Frontoffice als „E-Mentorin“ diejenige, die die Teilnehmenden von UpTrain auf der digitalen Lernplattform „DiVA“ begleitet. Zum Abschalten geht sie gerne schwimmen, malt Portraits oder geht auf Entdeckungsreise nach neuen Restaurants in Köln.

Maßgeschneiderte Wissensvermittlung, oder: Kenne deine Zielgruppe

Die Projektlaufzeit des UpTrains nähert sich langsam dem Ende. So endete bereits der zweite Durchlauf der Fortbildung zum „Geprüften Berufsspezialisten/zur geprüften Berufsspezialistin für Elektronik Mobilität (IHK)“ und auch die Fortbildung zum „Master Professional in Technologischen Innovationsstrategien Mobilität (IHK)“ befindet sich auf der Zielgeraden. Wir haben im Laufe der Fortbildungszeit viel gelernt und eines sticht für mich besonders heraus: Kenne deine Zielgruppe!

Äußere Umstände werden zu inneren Hürden

In der Lehrplanung gibt es viele Schrauben, an denen man drehen kann, um eine möglichst gute Erfahrung für die Lehrenden und Lernenden zu ermöglichen. Perfektion ist jedoch nahezu unerreichbar. Zunächst einmal ist der Personalmangel, der hohe Krankenstand und die enorme Arbeitsbelastung in Verkehrsunternehmen kein Geheimnis. Diese Faktoren wirken sich auch stark auf unsere Fortbildungen aus. Erfahrene Fachexperten*innen können von ihren Unternehmen nicht für die Lehre entbehrt werden und auch die Teilnehmenden werden in ihren Unternehmen gebraucht. Da sind Blockwochen einer Fortbildung leider häufig eine zusätzliche Belastung und keine Bereicherung. Auch sinnvolle Aufgaben, die zusätzlich zu der Lehre und dem beruflichen und privaten Alltag gestemmt werden müssen, haben meiner Erfahrung nach häufig nicht den gewünschten Lerneffekt, sondern Frustration und Überlastung bewirkt. Eine wichtige Schraube der Lehrplanung ist daher, die vor- und nachbereitenden Aufgaben an die realistischen Möglichkeiten der Teilnehmenden anzupassen, damit der Spaß beim Lernen nicht verloren geht.


Auch die besten Ideen kommen nicht bei allen an

Bei der Suche nach tollen Methoden und der Konzeption der Lehre, gab es häufig Situationen, in denen wir richtig begeistert von unserer Arbeit waren. Wir waren uns einig: tolle, eindeutige und gut zugängliche Methode – das wird den Teilnehmenden einen absoluten Mehrwert geben und die Vorbereitung auf die Prüfung enorm erleichtern. Die Teilnehmenden waren da anderer Meinung. Auch hier war meine größte Erkenntnis wieder, dass wir die Zielgruppe bei der Planung falsch eingeschätzt haben, oder die ganze Methode aus unserer Sicht erarbeitet haben. Mit der Didaktik-Brille klingen vielschichtige Ideen und Aufgaben aber auch immer so toll! Dabei haben wir außer Acht gelassen, dass die Teilnehmenden unserer Fortbildungen in ihrem Berufsalltag ganz andere Brillen tragen als wir. Der Dialog mit den Teilnehmenden hat gezeigt, dass unsere Methoden nicht als innovative und hilfreiche Ideen ankamen, sondern als zusätzliche Belastung, deren Sinn für die Teilnehmenden nicht deutlich war. Die Herausforderung ist also nicht nur, maßgeschneiderte Methoden zu finden, sondern deren Relevanz auch unmissverständlich zu kommunizieren. Was für uns in der Lehrplanung offensichtlich ist, ist für die Teilnehmenden gegebenenfalls im besten Falle schwammig. Die Planung, nicht nur der Lerninhalte, sondern auch der vor- und nachbereitenden Aufgaben muss also auf die Zielgruppe maßgeschneidert sein und deutlich kommuniziert werden. Hier hilft der Blick über den eigenen Tellerrand und Rücksichtnahme auf die zuvor erwähnten äußeren Umstände.


Doppelt gemoppelt hält nicht immer besser

In der Lehrplanung bemühen wir uns, alle Themen der Fortbildungen möglichst genau abzubilden. Die Teilnehmenden sollen am Ende schließlich alle ihre Prüfung bestehen. Die Einschätzungen der Tiefe eines Themas, die man besten Wissens und Gewissens vornimmt, haben aber zum Teil auch zu einer zu detaillierten Lehre zu bestimmten Themen geführt. Nur weil ein Thema spannend ist, kann man damit nicht unbedingt drei Tage Lehre füllen. Der Schlüssel ist hier, Dopplungen zu vermeiden, denn die Frustration in der Gruppe steigt, wenn die eigentliche Arbeit für die Fortbildung liegen bleibt und dann drei Tage hintereinander die gleichen Inhalte besprochen werden. Auch hier ist der Schlüssel wieder Kommunikation – mit den Teilnehmenden, Dozierenden und Verbundpartnern im Projekt. Unsere Aufgabe als Bildungsanbieter ist es, in solchen Situationen den Wissensstand der Teilnehmenden an die Dozierenden zu vermitteln, Dozierende hinsichtlich der bereits abgedeckten Inhalte zu briefen und Mittelsmann/Mittelsfrau zwischen Lehrenden und Lernenden zu sein.


Der Projektcharakter

Das Schöne an der Erprobung einer Fortbildung ist aber, wie der Name schon andeutet, die Probe. Wir testen Methoden, Formate und Lerninhalte, um herauszufinden, was für diese spezifischen Zielgruppen der Branche funktioniert und einen wirklichen Mehrwert bietet. Dabei darf auch mal etwas schiefgehen. Am Ende der Fortbildungen wissen wir auf jeden Fall, was wir beim nächsten Mal nicht machen und auch das ist ein Erfolg.


Autorin

Maria Neuber

Maria Neuber arbeitet als Bildungsreferentin im Projekt UpTrain. Sie ist vor allem in der Lehrplanung und Organisation der Fortbildung zum „Master Professional in Technologischen Innovationsstrategien“ involviert.

Ein langer Weg zum Ziel: 21 Teilnehmende haben es geschafft!

Seit meinem letzten Blogartikel im Juni 2022 ist viel passiert. Nahezu alle unserer drei Erprobungsfortbildungen haben wir erfolgreich über die Bühne gebracht, das Wirtschaftsministerium hat sowohl den Geprüften Berufsspezialisten für Elektronik Mobilität als auch den Master Professional in Technologischen Innovationsstrategien anerkannt und die Rallye „UpGefahren“ wurde zum ersten Mal von 21 mutigen Teilnehmern „durchfahren“. Mit unserem gamifizierten Lehrkonzept „UpGefahren“, das sich an den Möglichkeiten der narrativen Lehre bedient, haben wir den Teilnehmenden des zweiten Durchlaufs der Geprüften Berufsspezialisten Elektronik Mobilität eine innovative Art des Lernens geboten, die diese voller Elan annahmen. Was genau während der letzten neun Monate bei „UpGefahren“ passiert ist und wie es mit uns weitergeht, möchte ich in diesem Artikel beleuchten.

PBL – die drei Pfeiler der Gamifizierung

Wer kennt sie nicht? Points, Badges und Leaderboards gehören zu allem, was Spaß macht und den freundlichen Wettbewerb befeuert. Der ursprünglichen Herausforderung, die Auseinandersetzung unserer Teilnehmenden mit dem Lehrmaterial und unserer digitalen Plattform, der DiVA, zu fördern, sind wir mit ähnlichem Rüstmaterial begegnet: UpGefahren ist eine virtuelle Rallye, deren Streckenverlauf durch den kompletten Lehrgang führt. Die Teilnehmer der drei Wahlmodule der Fortbildung traten in drei Teams gegeneinander an. Ziel jedes Teams war es, bis zum Ende des Lehrgangs die meisten Punkte zu sammeln. Während und zwischen den Blockwochen hatten die Teams die Möglichkeit, sich als Teil der Rallye spannenden Challenges zu stellen. Dabei handelte es sich um fachbezogene Aufgaben, die es gemeinsam zu lösen galt (z.B. Live-Quizze, Fotochallenges oder Escape Rooms). Diese Challenges konnten sowohl digital auf unserer Lernplattform als auch live im Unterricht mit unseren Fachexpert*innen stattfinden. Durch emotionalisierende Wettbewerbsmomente in jeder Blockwoche schufen wir zusätzliche Erinnerungsanker, die es den Teilnehmenden erleichtern, Inhalte der Fortbildung zu aktivieren.


Trailer zur Rallye "UpGefahren"


Wie sah es hinter den Kulissen aus?

In unserem Team aus hochmotivierten Projektmitarbeitenden durften wir die Teilnehmenden von „UpGefahren“ neun Monate lang hautnah begleiten, während sie sich den von uns kreierten Challenges stellten. Letzten Endes hing die Existenz von „UpGefahren“ von hauptsächlich zwei Faktoren ab: Der gut geölten Maschine unserer Teamarbeit , sowie dem Spaß der Teilnehmenden. Einige der Challenges hoben uns auf das Podest der zelebrierten Spielemacher*innen, während uns andere Challenges vor Sorge an den Fingernägeln knabbern ließen. Bei einer der digitalen Challenges machte uns die Technik beispielsweise einen Strich durch die Rechnung, weshalb die Stimmung auch schnell sank. Eindeutiger Favorit sowohl hinter als auch vor den Kulissen war jedoch die finale Challenge, das „Papperla-Pub Quiz“! Durch unser Punktesystem, in dem pro Runde die Anzahl der zu erspielenden Punkte steigt (Runde 1 = 1 Punkte, Runde 2 = 2 Punkte, usw.) hatten sich zwei der drei Teams bis zuletzt ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen geleistet. Das Quiz bot daher die perfekte Bühne, um dem Stress vor der Prüfung endlich Luft zu machen. Am Ende waren alle Beteiligten glücklich, denn der Preis, bestehenden aus einem großen Kasten verschiedenster Erfrischungsgetränke, wurde fair mit allen Teilnehmenden unter dem Regen der Konfettikanone geteilt.


Diese Gamifizierung einer Fortbildung klingt schon sehr cool. Kann ich das auch?

Kurz und knapp: Ja, na klar! Zugegeben, bei UpTrain machen wir keine halben Sachen: Wir wollten unseren Teilnehmenden einen neuartigen und vor allem spaßigen Weg bieten, dem Lehrstoff zu begegnen, und das haben wir auf allen Ebenen getan. Für einen Transfer sollte auch beachtet werden, dass die Gegebenheiten in jeder Fortbildung, jedem Unternehmen und jeder Branche natürlich unterschiedlich sind. In manchen Fällen müssten die Inhalte angepasst werden, in anderen das komplette Design. An dieser Stelle habe ich eine kurze Checkliste verfasst, die zumindest einen Überblick über die von uns verwendeten Ressourcen geben soll:
• Spielbrett: die Fortbildung
• Mini-Spiele: fachbezogene Challenges
• Spielende: die Fortbildungsteilnehmenden
• Team im Hintergrund: Retter*innen in der Not, ohne ein gutes Team funktioniert nichts.


Zusätzlich haben wir uns noch einige Extras ausgedacht, die den „UpGefahren“-Spirit zwar gut vermittelt haben, für die gamifizierte Fortbildung jedoch kein Muss sind:
• Visuelle Sprache: Logos und Icons für die Außenwirkung (digitale Challenge, Live-Challenge, Leaderboard, Streckenverlauf, etc.)
• Personalisierte Teamfahrzeuge, die sich auf der digitalen Lernplattform widerspiegeln
• Digitale Begleitung durch Charaktere Paula & Tobi inkl. Rahmennarrative
• Animiertes Leaderboard, das nach jeder Challenge den aktuellen Punktestand anzeigt
• Trailer der Rallye, um die Teilnehmenden gebührend einzustimmen


Was können wir für dich tun?

Pünktlich zur Verstetigung von UpTrain werden wir Ende 2024 ein Workbook inkl. Blaupause der Rallye veröffentlichen, um andere darin zu unterstützen, das Konzept möglichst einfach zu transferieren. Falls du noch mehr erfahren möchtest, kannst du dich gerne HIER für die Interessenliste unseres Digitalen Workbooks „Wie führe ich digitale Lehre in meinem Unternehmen ein?“ eintragen. Das Workbook richtet sich an Mitarbeitende mit Learning-Development Auftrag mit keiner bis wenig Erfahrung in der Erstellung und Etablierung digitaler Lehre. Es zeichnet anhand von Tipps, Beispielen und interaktiven Elementen den Weg von der Bedarfsanalyse, über die Konzeption und Umsetzung bis hin zur Qualitätssicherung und Evaluation auf. Wir beschreiben auch ausführlich, was zur Konzeption von „UpGefahren“ gehört, und geben Anzeiger, wie man die Rallye nachbauen kann. Das Beste dabei: Die Konzeption haben wir ja bereits übernommen. Jetzt musst du die Rallye also nur noch bei dir ausrollen!


Mein Fazit

Vom Articulate Workshop über unsere ersten zaghaften Schritte auf der DiVA bis hin zum vollständigen Gamification Konzept mit Multiplikations-Potential war es ein langer Weg, aber eben auch ein verdammt upgefahrener.


Autorin

Kim Möller

Kim ist Spezialistin E-Learning für das InnoVET-Projekt UpTrain und legt viel Wert auf erlebbares digitales Lernen. Während sie im Backoffice Web-Based Trainings gestaltet, ist sie im Frontoffice als „E-Mentorin“ diejenige, die die Teilnehmenden von UpTrain auf der digitalen Lernplattform „DiVA“ begleitet. Zum Abschalten geht sie gerne schwimmen, malt Portraits oder geht auf Entdeckungsreise nach neuen Restaurants in Köln.

Durchlässigkeit in der Bildungslandschaft: Einblicke aus dem Projekt UpTrain

In der Arbeitsgruppe „Durchlässigkeit“ im Projekt UpTrain, die sich mit dem fünften Projektziel beschäftigt, haben wir in den letzten Monaten an verschiedenen Bausteinen gearbeitet. Entstanden ist ein Mosaik, welches zeigt wie vielfältig und komplex das Thema ist und welche unterschiedlichen Wege der Annäherung möglich sind. Nachfolgend ein kleiner Einblick in unsere Arbeit:

Abschlüsse und Berufsbilder der ÖV-Branche

Unsere Auseinandersetzung mit dem Thema „Durchlässigkeit“ bezog sich von Beginn an sowohl auf die Durchlässigkeit innerhalb der beruflichen Bildung als auch auf die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Vor diesem Hintergrund galt es zunächst herauszuarbeiten, welche Abschlüsse und Berufsbilder in unserer Branche überhaupt eine Rolle spielen, um in einem weiteren Schritt festzuhalten, inwiefern diese in das Bildungssystem in Deutschland eingebettet sind. Dazu haben wir in unserer Arbeitsgruppe, bestehend aus Verkehrsunternehmen, Hochschulen und VDV-Akademie, ausgiebig recherchiert. Als Ergebnis unserer Recherche steht eine Übersicht der branchenrelevanten Abschlüsse und Berufe – bestehend aus über 90 Items – inklusive Angaben zur Art des Abschlusses (z.B. Ausbildung, Fortbildung, Studium), zum DQR-Niveau (falls zugeordnet), zum Umfang (UE, CP, Stundenumfang) und weiterführenden Informationen (z.B. Kurzprofil von Berufsbildern und Abschlüssen, (Lern-)Inhalte, Anschlussmöglichkeiten). Diese Übersicht kann perspektivisch – auch außerhalb des Projektrahmens – von Verkehrsunternehmen und deren Mitarbeitenden genutzt werden, um sich zu Übergängen zwischen (formalen) Abschlüssen und Berufsbildern zu informieren. Diese Hilfestellung knüpft an Ergebnisse der Bildungs- und Karriereberatung an, bei der deutlich wurde, dass Mitarbeitende in Unternehmen häufig keinen Überblick über ihre Möglichkeiten zum Wechsel, weder innerhalb der beruflichen noch hin zur akademischen Ebene, haben.


Master Professional als Zulassungsvoraussetzung für Master-Studiengänge

In unserem Projekt sind die beiden neuen Fortbildungen so konzipiert, dass nicht nur Abschlüsse der beruflichen Bildung als Zulassungsvoraussetzung gelten, sondern auch vorangegangene Studienleistungen. Dies war uns ein wichtiges Anliegen, um zur Durchlässigkeit von akademischer zur beruflichen Bildung beizutragen. Doch wie sieht eigentlich der umgekehrte Weg aus, also von der beruflichen in die akademische Bildung? Speziell für unsere Fortbildung auf Stufe 3 (Master Professional Technologische Innovationstrategien Mobilität (IHK)) haben wir uns dies genauer angesehen. Aktuell ist es nämlich so, dass der Abschluss auf Fortbildungsstufe 2 / als Bachelor Professional zur Aufnahme eines Bachelorstudiums berechtigt (vgl. https://www.bmbf.de/bmbf/de/home/_documents/die-novellierung-des-berufsbildungsgesetzes-bbig.html) Eine Entsprechung auf Master-Niveau gibt es hingegen nicht: der Abschluss als Master Professional berechtigt nicht zur Aufnahme eines Masterstudiums. Denn z.B. laut Hochschulgesetz NRW § 49 (6) ist die Voraussetzung für die Aufnahme eines Masterstudiums ein berufsqualifizierender Abschluss. Dies meint nach § 60 (1) ein abgeschlossenes Bachelorstudium – nicht aber eine abgeschlossene berufliche Qualifikation auf Fortbildungsstufe 3 / DQR-Niveau 7. Schnell wurde klar, dass wir dies nicht über eine Anpassung unserer Fortbildung ändern können, sondern auf „höherer Ebene“ tätig werden müssen. Glücklicherweise bot sich uns über eine unserer Verbundpartner-Hochschulen die Möglichkeit, tatsächlich einen Vorschlag zur Änderung des Hochschulgesetzes NRW einzureichen. Dieser sieht vor, dass berufliche Abschlüsse auf Fortbildungsstufe 3 / DQR-Niveau 7 als Zulassungsvoraussetzung für inhaltlich anschlussfähige Masterstudiengänge geltend gemacht werden können. Um dem Argument zu begegnen, dass berufliche Abschlüsse die Kompetenzen zum wissenschaftlichen Arbeiten nicht abbilden, regt der Vorschlag außerdem die Schaffung eines Hochschulangebots zur Erlangung wissenschaftlicher Kompetenzen an. Dies soll in Ergänzung zu einem beruflichen Abschluss auf Fortbildungsstufe 3 / DQR-Niveau 7 die Zulassungsvoraussetzung zur Aufnahme eines Masterstudiums darstellen bzw. ermöglichen. Aktuell warten wir noch auf Rückmeldung zu unserer Einreichung. Wir hoffen natürlich sehr, dass unser Vorschlag berücksichtigt wird.


Workshop-Konzept „Karrierewege in Verkehrsunternehmen“

Das aktuelle Thema der Arbeitsgruppe knüpft an unseren Beitrag zur letzten VDV-Bildungskonferenz an, den Britta Robels an dieser Stelle schon ausführlich dargestellt hat. Eines der zentralen Learnings aus dem damaligen Workshop: Verkehrsunternehmen unterscheiden sich in ihren Wegen, Voraussetzungen, dem Verständnis von Position und auch im Grad wie sich mit dem Thema „Fachkarriere“ im Unternehmen auseinandergesetzt wird. Eine branchenweit gültige Blaupause zur Übersicht aller möglichen Karrierepfade ist somit nicht zielführend. Vielmehr bedarf es einer unternehmensspezifischen Lösung. Die Idee ist, den Unternehmen unserer Branche ein Format anzubieten, mit dem sie ihre jeweiligen Karrierepfade passgenau erstellen und visualisieren können. Darüber lassen sich zum einen Durchlässigkeiten zwischen verschiedenen Positionen und Rollen im Unternehmen samt dazugehörigen Bildungswegen identifizieren. Zum anderen kann solch eine transparente Darstellung von unternehmensinternen Karrierepfaden als Instrument u.a. zur Personalentwicklung oder zu Recruiting-Zwecken eingesetzt werden. In der Konzeptentwicklung eines Workshopformats im Verbundpartnerkreis ist dann einmal mehr deutlich geworden, dass die oben beschriebene Idee und deren Nutzen zwar für alle interessant ist, aber durchaus unterschiedliche Vorstellungen zur Umsetzung, Voraussetzungen und Wünsche bzgl. späterem Einsatzgebiet bestehen, z.B.: manche wünschen sich einen Karrierepfad für eine ganz bestimmte Zielgruppe (z.B. Fahrpersonal), manche gleich für den gesamten gewerblich-technischen Bereich; bei manchen spielen Führungskräfte eine Rolle bei der Erstellung solcher Pfade, bei manchen stattdessen die Personalleitung; bei manchen soll die Visualisierung gleich zum Recruiting verwendet werden, bei manchen wiederum nur intern, usw. Diese und viele weitere Aspekte haben wir diskutiert und in den kommenden Monaten werden wir unser Workshop-Konzept in zwei unserer Verbundpartner-Unternehmen erproben. Ziel ist es, dieses Workshop-Format auch nach Projektende anzubieten.


Aussicht

Insgesamt zeigen uns unsere bisherigen Auseinandersetzungen mit dem Thema Durchlässigkeit, dass noch viele Baustellen offen sind und noch viele Hebel in Bewegung gesetzt werden müssen, um mehr Übergänge innerhalb und zwischen beruflicher und akademischer Bildung möglich zu machen und zu stärken. Gleichzeitig merken wir auch, dass das Thema auf großen Anklang bei Verkehrsunternehmen und Hochschulen stößt und wir im (begrenzten) Rahmen unseres Projekts schon vieles voranbringen und umsetzen konnten.


Autor

Alexander Thill

Alexander Thill arbeitet als Bildungsberater im Projekt UpTrain. Neben der Konzeption und Erprobung der Bildungsberatung kümmert er sich außerdem um das Thema Durchlässigkeit.

Mein Senf: Fünf Learnings aus 37 Monaten Projektlaufzeit

Das InnoVET-Projekt UpTrain startet ins neue und damit auch in das letzte Jahr der Projektlaufzeit. In den letzten 37 Monaten kam eines auf jeden Fall nicht auf: Langeweile. Dabei hatte jede Projektphase ihre ganz eigenen Herausforderungen. Welche das bei so einem innovativen Vorhaben waren und welche Learnings ich daraus daraus gezogen habe, schreibe ich heute nieder.

Schmeckt nicht gibts nicht!

Aller Anfang ist schwer, insbesondere, wenn dein Projekt mehr oder weniger mit Corona startet. Das erste Jahr und die Konzeptionsphase standen daher ganz unter dem Stern: Trust the process. Neun Verbundpartner-Institutionen und etwa 15 Projektmitarbeitende mussten zunächst ein projektinternes System der Kommunikation und kollaborativen Zusammenarbeit finden. Auf dem Weg haben wir einiges verworfen (Stichwort: MeisterTask) und ungeplantes mitgenommen (Stichwort: MS Teams) und wiederum manches hat für eine bestimmte Zeit gut funktioniert (zum Beispiel feste Arbeitsgruppen). Inzwischen gibt es feste Formate und Termine sowie regelmäßige Live-Meetings, die den eingespielten Aufgaben und Prozessen entsprechen.

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Ich bin ein großer Fan unserer Branche und den Verkehrsunternehmen. Aber sind wir mal ehrlich: Innovation ist nicht unser Aushängeschild. Innovationen stellen erstmal Prozesse und Arbeit der letzten Jahrzehnte in Frage. Das führt verständlicherweise zu Irritation bis hin zu (erstmal) Ablehnung. Wir konnten in den letzten drei Jahren viele Befürwortende und Unterstützer*innen für das Projekt UpTrain finden. Dadurch, dass die neuen Fortbildungen gemeinschaftlich mit dem VDV und Vertreter*innen aus den Unternehmen konzipiert worden sind, konnten sie in der Praxis selbst Wurzeln schlagen. Insbesondere durch das Mitnehmen von den größten Projekt-Skeptikern konnte man anfängliche Scheu vor dem Neuen gut mitnehmen und im Prozess aufzeigen, dass man sich nicht den Mund dran verbrennt.

Wir kochen alle nur mit Wasser.

Die Umsetzung der Fortbildung stellte uns vor große Herausforderungen. Durch den bereits herrschenden Fachkräftemangel gestaltet es sich schwierig, Dozierende zu finden – insbesondere bei der auf höherem Niveau konzipierten Fortbildung von über 1600 Stunden. Auch das Ziel, akademische und berufliche Bildung zu verknüpfen, war in der Umsetzung fordernd – zum einen auf rein organisatorischer Ebene, Semesterzeiten und Fortbildungszeiten zu kombinieren. Sowie auf der anderen Seite auch die beiden Zielgruppen zusammenzubringen.

Das Gelbe vom Ei

Meine Konstante war in all den Jahren das Projektteam – im Sinne meines engen Akademie-Teams, aber auch das übergeordnete Team aus den acht Verbundpartner-Institutionen. Das gemeinsame Arbeiten ist stets von einer Prise Humor sowie einer ordentlichen Portion Wertschätzung und Lösungsorientierung geprägt. Auch in kriseligen Zeiten gab es untereinander niemals Vorwürfe oder Schuldzuweisungen – nur die Perspektive: „Wie kriegen wir das jetzt zusammen hin?“ Dafür bin ich sehr dankbar.

Die Extrawurst

2024 wird in dem Sinne besonders, als dass wir in unser Verstetigungsjahr einsteigen. Das bedeutet, wir legen nun die Weichen dafür, dass möglichst alles in den letzten Jahren entwickelte auch nach Projektzeit weiterläuft. Dafür gibt’s schon viele Pläne und Ideen, aber davon erzähle ich dann in einem Jahr.

Autorin

Britta Robels

Britta Robels ist die Projektleitung von UpTrain. Inhaltlich begleitet sie insbesondere die Berufsbildentwicklung und das Thema Durchlässigkeit im Projekt.

1. UpTrain Fachtag: Innovationen in der Beruflichen Bildung

Am 1.12.2023 fand der erste UpTrain Fachtag zum Thema „Innovationen in der beruflichen Bildung“ statt. Hier diskutierten Vertreter*innen der Erwachsenenbildung aus den InnoVET-Projekten sowie von ÖPNV-Unternehmen gemeinsam mit der VDV-Akademie über den Wert und die Bedeutung von Innovation im Bildungsbereich. Unsere Projektpartner haben uns dabei fleißig unterstützt; neben reger Teilgabe begleiteten sie uns auch via instagram. Diese Beiträge haben wir hier zu einem sogenannten „Visual Essay“ zusammengetragen.

Der Fachtag

Der Fachtag war als digitaler Miniworkshop von 9-12 Uhr angelegt; dies um auch schon das Veranstaltungsformat innovativ zu gestalten und damit einen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Lernprozessen und unternehmensübergreifendem Austausch mit dem Arbeitsalltag zu leisten. Mit Erfolg - insgesamt rund 50 Teilnehmende nahmen an der Veranstaltung teil.

In jeder Arena fand zunächst ein Input statt, der dazu diente, einen beispielhaften Einblick in Innovationsprozesse im entsprechenden Themenbereich zu geben. Die Impulsvorträge endeten jeweils mit einem Statement, das die Teilnehmenden auf einem „Conceptboard“ bewerteten und zu dem sie dort auch anonymisiert schriftlich Stellung beziehen konnten. Im Anschluss wurde in den Arenen über die Aussagen und Einschätzungen im Conceptboard diskutiert.


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Die Themenarenen

Die Themenarena „Gleichwertigkeit“ eröffnete Prof. Dr. Karl Wilbers vom InnoVET-Projekt BIRD mit einem Beitrag zum neuen Abschluss des Geprüften Berufsspezialisten auf Fortbildungsstufe 1. Rege diskutiert wurden hier unter anderem die Bewertung neuer Abschlüsse, das Prinzip der Beruflichkeit gegenüber Ansätzen der Modularisierung, die finanzielle Anerkennung beruflicher Bildung und die Vergleichbarkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Dabei wurde deutlich, dass mit der Entwicklung neuer Berufsbilder auch eine unternehmensinterne Anerkennung dieser einhergehen muss; sowohl in Form von monetären Anreizen als auch in Bezug auf eine transparente Kommunikation der Entwicklungsmöglichkeiten bzw. der damit verbundenen möglichen Laufbahnen. Insofern schloss Karl Wilbers mit dem Statement: „Innovation in der Berufsbildung bedeutet für die Berufsbildung erst einmal die Hausaufgaben in ihrem eigenen Bereich zu machen.“

Die Themenarena „Berufsbilder“ hatte ein ähnliches Thema im Fokus. Das Statement von Janine Griesche vom InnoVET-Projekt Bottom-Up statt Top-Down lautete: „Innovative Berufsbilder gelingen nicht durch die Generierung neuer Abschlüsse, sondern durch die Vermittlung beruflicher Kompetenzen und Fähigkeiten.“ Diskutiert wurde dabei auch die Frage, wie durch kleinere Spielräume (bspw. offenere Formulierungen in den Besonderen Rechtsvorschriften) Innovation ermöglicht werden kann. Die Erfassung und Wertschätzung informeller Kompetenzen und das stetige Vermitteln von möglichen Nutzen und Anwendungsmöglichkeiten beruflicher Bildungsabschlüsse gehörten für die Diskussionsteilnehmer zu wichtigen Ansatzpunkten für eine Stärkung der Wirksamkeit innovativer und neuer Berufsbilder.

In der Themenarena „Innovation Lehrende“ stellten Kim Möller und Sebastian Stinner vom InnoVET-Projekt UpTrain die sogenannte „narrative Lehre“ vor; ein Konzept bestehend aus „Big Pictures“ und „Challenges“, durch das die Teilnehmenden in Fortbildungen zu mehr Engagement motiviert werden und das durch emotionalisierende Gamification-Elemente wirkungsvolle Erinnerungsanker zu Fortbildungsthemen ermöglicht. Demgemäß schlossen ihren Impuls mit dem Statement: „Innovation ist, auch berufliche Lehre in Geschichten einzubetten – diese tragen Lernende durch die Lerninhalte und schaffen wichtige emotionale Ankerpunkte“. Diskutiert wurde unter anderem der Aufwand des Einbettens spielerischer Elemente in Lernprozesse sowie die Vorteile von Gamification auch für Lehrkräfte.

In der Themenarena „Innovation Lernende“ wurden die Teilnehmenden von Tony Sabow und Bernhard Robl von der Münchner Verkehrsgesellschaft mitgenommen in eine virtuelle Straßenbahn, in der man interaktiv Komponenten und Bedienelemente erkunden kann. In der Diskussion wurde zum einen über die Überzeugung unternehmensinterner Stakeholder für die Umsetzung solcher virtueller Lernanwendungen gesprochen; und zum anderen über einen wichtigen Wert für die Entstehung von Innovation in der beruflichen Bildung; die Freiheit (zeitlich, kulturell, finanziell), neue Dinge zu entwickeln und auszuprobieren. Daran knüpfte auch das Statement der beiden Experten an: „Innovation gelingt am besten in einem offenen und unterstützenden Umfeld, in dem kreative Ideen gewürdigt und Risikobereitschaft belohnt wird. Ein starres und überreguliertes Umfeld kann hingegen die Entstehung und Umsetzung von Innovationen erheblich behindern.“

Unsere Learnings

Aus den Diskussionen beim ersten UpTrain Fachtag nehmen wir unter anderem drei wichtige Learnings zum Thema Innovation in der beruflichen Bildung mit:

  1. Wertschätzung neuer Berufsbilder entsteht nicht dadurch, dass es sie gibt – Wertschätzung wird generiert durch explizite und implizite Anerkennung, durch einen sichtbaren Nutzen von Weiterbildung und durch das Ernstnehmen von Bedarfen und Bedürfnissen der Beschäftigten.

  2. Spielerische Elemente und dergleichen in der beruflichen Bildung erhöhen nicht nur die Motivation der Teilnehmenden, sondern tragen bei längeren Fortbildungen auch zum Lernerfolg bei, indem sie als Erinnerungsanker fungieren.

  3. Ohne Vertrauen und Freiheit können Innovationen bzw. kreative neue Methoden und Lernmöglichkeiten in der Berufsbildung nicht entstehen.

Autorin

Dr. Katja Kirsten

Katja Kirsten ist Referentin für Didaktik/Methodik im Projekt UpTrain. Als eine der Mitstreiter*innen erster Stunde versucht sie, den Überblick über die inhaltlich-operative Arbeit im Projekt zu behalten und die innovativen didaktischen Konzepte erfolgreich in die Umsetzung zu bringen. Ihre kognitive Leistungsfähigkeit ist nur bei ausreichender Schokoladenversorgung gegeben, weshalb sie nicht nur Expertin für Bildung, sondern auch für das Snackregal im Supermarkt ist.

Digitale Lehre und Zukunft der Mobilität: Erfahrungen aus meiner ersten Zoom-Lehrveranstaltung

Meine erste Erfahrung als Vortragende in einer digitalen Lehrveranstaltung hat mich vor die Herausforderung gestellt, über Zoom eine spannende und interessante Atmosphäre zu schaffen. Mein Ziel war es, die Teilnehmenden nicht in ein leeres virtuelles Schwarzes Loch sprechen zu lassen, sondern eine interaktive und lebendige Lernumgebung zu gestalten.

Über die zwei Tage hinweg habe ich einen Mix aus Theorie-Input und Beispielen präsentiert, wobei ich Einblicke in die Praxis der Wiener Stadtwerke, Wiener Linien und von Upstream Mobility gab. Besonders wichtig war mir dabei, die Teilnehmenden aktiv einzubeziehen. In Kleingruppenarbeiten wurden bestimmte Fragestellungen erarbeitet, die anschließend im Plenum präsentiert wurden. Diese Abwechslung zwischen Theorie, Gruppenarbeit und Präsentation hat dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit und das Interesse der Teilnehmenden aufrechtzuerhalten.


Meine persönlichen Tipps für erfolgreiche digitale Lehrveranstaltungen:

Interaktivität fördern:
Die digitale Welt kann manchmal distanziert wirken, aber ich habe erfahren, dass die Integration interaktiver Elemente einen entscheidenden Unterschied macht. Während meiner ersten digitalen Lehrveranstaltung war es mir besonders wichtig, dass die Teilnehmenden nicht nur Zuhörer ist, sondern aktiv am Geschehen teilnehmen. Die Verwendung von Chatfunktionen, die Einführung von Gruppenarbeiten und Diskussionsrunden haben dazu beigetragen, eine lebendige Interaktion zu fördern und eine echte Gemeinschaft aufzubauen.


Klare Struktur und Zeitmanagement:
Als Teilnehmerin digitaler Lehrveranstaltungen schätze ich eine klare Struktur und gut definiertes Zeitmanagement. Daher habe ich meine Lehrveranstaltung sorgfältig durchstrukturiert und klare Zeitvorgaben für jeden Abschnitt festgelegt. Dies hilft nicht nur dabei, den Fokus zu behalten, sondern gibt den Teilnehmenden auch eine klare Orientierung über den Ablauf der Veranstaltung.


Multimediale Inhalte einbinden:
Um die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, habe ich bewusst multimediale Inhalte eingebunden. Beispiele aus der Praxis, visuelle Hilfsmittel und kurze Videos haben die Lernumgebung bereichert. Durch die Nutzung verschiedener Medien konnte ich sicherstellen, dass die Teilnehmenden nicht nur hören, sondern auch sehen und erleben, was die Inhalte lebendiger gestaltet hat.


Klare Kommunikation und Erwartungen setzen:
Anfang an habe ich klare Erwartungen kommuniziert und den Teilnehmenden mitgeteilt, wie die Lehrveranstaltung strukturiert sein wird. Das schafft Vertrauen und Transparenz, und die Teilnehmenden wissen, was sie erwarten können. Offene Kommunikation erleichtert auch den Austausch von Feedback, was wiederum zur ständigen Verbesserung beiträgt.


Teilnehmer einbinden und Feedback einholen:
Die Einbindung der Teilnehmenden und das regelmäßige Einholen von Feedback sind für mich essenziell. Während der Lehrveranstaltung habe ich bewusst Räume für Diskussionen geschaffen und die Meinungen der Teilnehmenden aktiv eingeholt. Das ständige Feedback ermöglichte es mir, den Verlauf anzupassen und sicherzustellen, dass die Bedürfnisse der Teilnehmenden erfüllt wurden.


Mein Fazit

Es war faszinierend, nach den zwei Tagen die Teilnehmenden besser kennenzulernen. Die hohe Motivation und aktive Mitarbeit der Studierenden haben dazu beigetragen, dass die Lehrveranstaltung in dieser Form erfolgreich war. Ich schätze mich glücklich, dass ich zu diesem innovativen Projekt beitragen konnte. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die Einbindung von Expertinnen ohne teure Reisekosten und CO2-produzierende Flüge haben nicht nur einen Beitrag zur Expert*innenausbildung der Zukunft geleistet, sondern auch einen umweltfreundlichen Ansatz ermöglicht.

Diese Erfahrung hat gezeigt, dass Online-Veranstaltungen optimal gestaltet werden können, wenn ein ausgewogener Mix aus Theorie und interaktiven Elementen gefunden wird.


Autor

Christina Hubin

Christina absolvierte 2009 das berufsbegleitete Masterstudium "Wirtschaft und Recht der öffentlichen Verwaltung", sowie 2005 das Magisterstudium "Marketing und Management" an der FH Wr. Neustadt. 2006 begonnen als Controllerin bei der Wiener Linien GmbH & Co KG, stieg sie 2014 bei der Neuen Urbane Mobilitäts GmbH als Innovations- und Partnermanagerin ein. Seit 2017 ist sei bei Upstream-next level mobility GmbH tätig und derzeit Prokuristin und für Strategy & Communication zuständig.


Reif fürs Museum – das Live Projektgruppentreffen im Museum Thielenbruch

Zum bereits 9. Mal traf sich das UpTrain-Projektteam im Oktober 2023 live und in Farbe. Dieses Mal lud die KVB in das eindrucksvolle Straßenbahn-Museum nach Thielenbruch! In dieser historischen Kulisse blickte das Projektteam allerdings nicht (nur) auf die bereits hinter sich liegenden Meilensteine und Erfolge, sondern stellte sich mit Blick in eine nicht allzu ferne Zukunft vielmehr die zentrale Frage: „Was passiert, wenn das Projekt UpTrain im November 2024 offiziell abschließt?“

In diesem Blogbeitrag nehmen wir Sie mit, in eine virtuelle Ausstellung der Spurensuche nach Antworten hierauf:

InnoVET UpTrain_PGT KVB Thielenbruch (3)

Portal in eine andere Zeit

Thielenbruch, ca. 2023


Das Durchschreiten eines solchen „Portals“ hatte oft einen symbolischen Charakter, der den Transfer in einen anderen Bewusstseinszustand anstoßen sollte. Im Kontext des „Projektgruppentreffens“ wurden die Teilnehmenden dazu eingeladen in einen Zustand der Reflexion und Planung zu gelangen.


InnoVET UpTrain_PGT KVB Thielenbruch (1)

Wall of Fame

Thielenbruch, ca. 2023


Die „Wall of Fame“ als Artefakt einer geteilten Wertschätzung für die Leistungen der Gruppe, manifestiert sich oft in Form einer Pinnwand, an der Workshopteilnehmende insbesondere ihre Erfolge sammeln und feiern. Doch auch einige Funde sog. „Stolpersteine“ in dieser Sammlung suggerieren ironischer Weise, dass über Erfolge sich auch stolpern lässt. In der hier gezeigten Szene wird durch die sich diametral gegenüberstehenden Protagonist*innen sichtbar, dass jeder Blick zurück auch einen Blick nach vorne evoziert . Mittels dieser Dualität ist es den Teilnehmenden möglich an der „Wall of Fame“ das abschließende Projektjahr 2024 zu planen.


InnoVET UpTrain_PGT KVB Thielenbruch (2)

Siebenmeilenstiefel

Thielenbruch, ca. 2023


Die „Siebenmeilenstiefel“ symbolisieren in dieser naturalistischen Darstellung eine fokussierte Form des „Walk and Talk“. Beim „Walk and Talk“ handelt es sich um eine kreative Methode, um in vitalisierender Umgebung Herausforderungen zu diskutieren. Kulturell bedingt implizieren die „Siebenmeilenstiefel“ einen Motivationsschub, welcher den Teilnehmenden einen klaren Blick auf ihre Rollen nach Projektende ermöglichen soll.


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Die Pufferküsser*innen

Thielenbruch, ca. 2023


Auf der neo-romantischen Darstellung „Die Pufferküsser*innen“ wird eine besondere Spezies, die vermehrt im Kontext des ÖP(N)V vorzufinden ist, in einer modernen Komposition inszeniert. Die hier dargestellte Szene zeigt eine Versammlung dieser „Pufferküsser:innen“, welche dem Wissenstransfer innerhalb der Gruppe dienen sollte.


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Virtual Reality

Thielenbruch, ca. 2023


„Virtual Reality“ war zu Zeiten des Projekts „UpTrain“ eine sehr beliebte Technik, um mit Hilfe brillenartiger Gestelle die Vergangenheit wieder auferstehen zu lassen oder anders unzugängliche Orte virtuell zu untersuchen. Aufzeichnungen aus dieser Zeit belegen, dass diese Technik allgemein als „innovativ“ und „zukunftsweisend“ anerkannt wurde.


InnoVET UpTrain_PGT KVB Thielenbruch (7)

Gruppenfoto

Thielenbruch, ca. 2023


Ein besonders seltenes Fundstück, das fast die gesamte Projektgruppe zeigt und das wahre Ausmaß der dortigen Gemeinschaft bezeugt.


Autor*innen

Anna-Lena Müller, Michel Michiels-Corsten, Kim Möller

Einer geht noch: Start des zweiten Durchgangs im Lehrgang zum/zur Geprüften Berufsspezialisten / Geprüften Berufsspezialistin für Elektronik Mobilität

Es gibt gute Neuigkeiten: Der zweite Durchgang des Lehrgangs Geprüfter Berufsspezialist / Geprüfte Berufsspezialistin für Elektronik Mobilität (IHK)* hat es erfolgreich aufs Gleis geschafft! In der zweiten Augustwoche fanden sich unsere angehenden Berufsspezialisten (auch in diesem Durchgang ist ausschließlich das männliche Geschlecht vertreten) in den Räumlichkeiten der VDV-Akademie zusammen.

Der Startschuss

Die Aufregung war deutlich spürbar, sowohl bei den Teilnehmenden als auch beim Team UpTrain: Mit wem werde ich die nächsten Wochen und Monate verbringen? Wie ist die Stimmung; haben alle Lust aufs Lernen? Werden meine Erwartungen bloß erfüllt oder sogar übertroffen? Und natürlich: Wie viel Kaffee ist genug Kaffee? Am Ende der Einführungswoche stand fest: Mit diesem Durchgang haben wir eine schnelle, wache und witzige Truppe zusammenbekommen.


Auch dieses Mal teilt sich der Lehrgang an einigen Punkten des Lehrplans in drei Wahlmodule auf: Kraftomnibusse, Schienenfahrzeuge und Leit- & Sicherungstechnik. War der erste Tag der Einführungswoche noch dem Kennenlernen in der großen Gruppe gewidmet (Stichworte: Lebendige Statistik und Speed Dating), ging es am zweiten Tag schon in die Kleingruppen der Wahlmodule. Hier startete auch eine extra für den 2. Durchgang der Fortbildung entwickelte Ergänzung: Die Rallye „UpGefahren“! Das Team UpTrain hat sich mit diesem Angebot etwas ganz Besonderes ausgedacht: „UpGefahren“ ist eine virtuelle Rallye, deren Streckenverlauf einmal komplett durch den Lehrgang führt. Die Wahlmodule der Fortbildung treten hier in drei Teams gegeneinander an: Team Bus, Team Schiene und Team Leit- und Sicherungstechnik. Ziel für jedes Team ist, am Ende des Lehrgangs die meisten Punkte zu sammeln. Die Teilnahme an der Rallye ist komplett freiwillig. Somit ist „UpGefahren“ als gamifizierte Erweiterung der Lerninhalte nur ein Angebot für unsere Teilnehmenden, soll ihnen aber in keiner Weise im Weg zum Lernerfolg stehen. Unter der Leitung unseres Rallye-Managers Seb hatten die Teilnehmenden nun die Möglichkeit, ihr Gefährt zu basteln, zu gestalten und letztendlich mit einem „Start á la Les Mans“ ins Rennen zu starten. An den Fotos sieht man: Der Start von „UpGefahren“ war ein großer Erfolg! Natürlich mussten auch aussagekräftige Teamnamen gefunden werden: Die Teams Kasalla (ehemals Team Bus), Beertrain Ultras (ehemals Team Schiene) und Die Signal-Raketen (ehemals Team Leit- und Sicherungstechnik) treten nun offiziell im Kampf um das UpTrain-Treppchen an**.


Wer schreibt, der beibt!

Damit war die Einführungswoche aber noch lange nicht vorbei. Eine weitere Anpassung des Lehrgangs, die wir als Antwort auf die Erfahrungen mit dem ersten Durchgang gemacht haben, ist die direkte Betreuung der Wahlmodule durch Fachexperten. Neben dem Kennenlernen der drei Fachexperten, die so etwas wie eine Patenschaft für jeweils eines der Wahlmodule übernehmen, wurden die Teilnehmer auch gleich auf ihre Abschlussprüfung bei der IHK eingeschworen. Das inoffizielle Motto lautet hier: Wer schreibt, der bleibt! Lernen ist ein langer Prozess, der nur durch Regelmäßigkeit in der Bearbeitung und Wiederholung der Lerninhalte effektiv gestaltet werden kann. Besonders im Rahmen der Prüfungsvorbereitung müssen unsere Teilnehmenden daher nicht nur ihre Leidenschaft für die Lehrinhalte selbst, sondern auch Disziplin in der Wiederholung der entsprechenden Inhalte unter Beweis stellen. Um sicherzugehen, dass diese Haltung auch über einen Zeitraum von knapp neun Monaten so bleibt, hat unsere Bildungsreferentin Katrin u.a. die Punkte: Lernmethoden, Reiseplanung, Evaluation und kooperatives digitales Lernen auf den Plan gepackt.


Man kann kaum glauben, dass das alles in eine Woche passt. Entsprechend erschöpft – aber glücklich – waren die Teilnehmer, als sich die Woche dem Ende zuneigte. Neben dem Besuch im echt kölschen Brauhaus mit unserer Feel-Good-Managerin Martina standen auch eine Besichtigung der Haltestelle Heumarkt unter Führung der KVB sowie eine abschließende Stadtführung durch Köln an.


Fazit nach der ersten Woche

Insgesamt wurde der Start des Lehrganges als sehr gelungen wahrgenommen! Sowohl innerhalb des Teams UpTrain als auch von Seiten der Teilnehmer gab es reichlich positives Feedback, das sofort Lust auf die kommenden Wochen macht. Die Chemie scheint zwischen allen Beteiligten zu stimmen und die Teilnehmer können wissensdurstiger nicht sein. Ende August geht es wieder mit dem UpTrain auf die Schiene, wenn sich die Teilnehmer zur zweiten Blockwoche in Frankfurt bei der VGF wiedersehen.


* Berufsbezeichnung unter Vorbehalt.
** UpDates auf unserer Projektwebsite folgen, sobald wir mehr Erfahrungen mit der Durchführung von „UpGefahren“ gesammelt haben.

Autorin

Kim Möller

Kim ist Spezialistin E-Learning für das InnoVET-Projekt UpTrain und legt viel Wert auf erlebbares digitales Lernen. Während sie im Backoffice Web-Based Trainings gestaltet, ist sie im Frontoffice als „E-Mentorin“ diejenige, die die Teilnehmenden von UpTrain auf der digitalen Lernplattform „DiVA“ begleitet. Zum Abschalten geht sie gerne schwimmen, malt Portraits oder geht auf Entdeckungsreise nach neuen Restaurants in Köln.

Ein Interview mit Harald Kraus

UpTrain: Als ehemaliger Betriebsratsvorsitzender der KVB und jetziger Arbeitsdirekter bei DSW21 kennst du dich in der Branche ziemlich gut aus. Dazu kommen deine Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender des VDV-Akademie e. V. und der Vorsitz im Beirat des InnoVET-Projekts UpTrain. Welche wichtigen Eigenschaften braucht es bei einem so vielseitigen Aufgabengebiet?

Harald Kraus: Dass die Arbeit in der ÖPNV-Branche vielschichtig und herausfordernd ist, erlebe ich seit 1981, dem Beginn meiner Elektroniker-Ausbildung bei den SWB Bonn. Die Herausforderungen der Branche kenne ich daher aus erster Hand. Aber die Branche zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie lösungsorientiert ist und ihr Personal fördert. So konnte ich mir im Laufe der Jahre u. a. während langjähriger Betriebsratstätigkeit und eigenen Weiterqualifizierungen das nötige Rüstzeug erwerben, um viele Probleme bewältigen zu können. Neben fachlichen Kompetenzen sind dabei ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität und rascher Aufnahmefähigkeit wichtige Bausteine. Für mich ist es bei all meinem Handeln zudem hilfreich, aus konsequenter Überzeugung heraus zu Werke zu gehen: Das schafft Transparenz, Verbindlichkeit und die Grundlage für vertrauensvolle Zusammenarbeit. Diese ist für eine erfolgreiche Arbeit elementar! Bei DSW21 wie bei der VDV-Akademie darf ich mich zum Glück auf ein kompetentes und eifriges Team verlassen, das mich tatkräftig unterstützt.


UpTrain: Du begleitest seit Start des Projekts 2020 die Erprobung der beiden Fortbildungen „Geprüfte/r Berufsspezialist/in für Elektronik Mobilität (IHK)“ und „Master Professional in Technologischen Innovationsstrategien Mobilität (TIM)“. Welche Entwicklungsschritte waren für dich am spannendsten?

Harald Kraus: Da ich selbst einen Hintergrund in der Leit- und Sicherungstechnik besitze, sind für mich die thematischen Entwicklungen besonders spannend. Die kommenden technischen Neuerungen stellen uns vor Herausforderungen, bieten aber auch große Chancen – da begleite ich die Entwicklungen in der Branche sehr eng. Aber auch aus Branchensicht halte ich das UpTrain-Projekt für eminent wichtig: Gemeinsam mit Partner*innen aus Verkehrsunternehmen, Industrie und Hochschulbereich neue Berufsbilder zu entwickeln, ist ein zukunftsfähiges und arbeitsmarktpolitisch wichtiges Projekt, um dem technologischen und demografischen Wandel zu begegnen. Die angestrebten beruflichen Fortbildungen auf den neuen Fortbildungsstufen steigern die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit der Branche, die Implementierung der DiVA passt ins digitale Zeitalter und die stärkere Vernetzung zwischen den Projektpartner*innen nutzt letztlich allen Beteiligten. Langfristig bin ich auf das Roll-out der finalen Fortbildungen gespannt und kann mir durchaus weitere, ergänzende Fortbildungen dieser Art vorstellen.


UpTrain: Wie trägt das Projekt UpTrain deiner Meinung nach zu einer Lösung des aktuellen Personalmangels in der Branche bei?

Harald Kraus: Das Projekt leistet meines Erachtens einen wertvollen Beitrag gegen den Personalmangel: Zum einen wird im Projekt an innovativen, modernen Berufsbildern gearbeitet, welche dabei helfen, die Branche demografiefest aufzustellen. Zum anderen dokumentiert die Bereitschaft der teilnehmenden Verkehrsunternehmen, ihre Mitarbeitenden bei Bildungsangeboten zu unterstützen die Wertschätzung für jede und jeden Einzelnen. Die Branche bietet nicht nur krisensichere, sondern auch zukunftsfähige, interessante und höchst relevante Arbeitsplätze, gerade wenn es um die Bekämpfung des Klimawandels und die Implementierung neuer Technologien geht. Auch dies wird durch das UpTrain-Projekt – was ja von der Branche für die Branche entwickelt wird – unterstrichen.


UpTrain: Wie sieht für dich das Verkehrsunternehmen der Zukunft aus?

Harald Kraus: Die Bedarfe und Bedingungen für Verkehrsleistungen unterscheiden sich – allein in Deutschland – mitunter erheblich voneinander, daher ist die Frage nicht leicht zu beantworten. Ein paar Aspekte will ich dennoch benennen: In Zukunft werden Verkehrsunternehmen viel mehr multimodale Verkehrsleistungen anbieten. Dabei wird die Orientierung an den Nutzer*innen elementar sein, gerade angesichts einer alternden Bevölkerung. Deshalb wird ein Hauptfokus auf Barrierearmut liegen müssen, was nicht nur inklusive und individuellere Angebote umfasst, sondern auch geringere Umsteigezeiten zur Mobilitätserleichterung. Dafür ist wiederum eine Angebotsausweitung unabkömmlich. Die wachsenden digitalen Infrastrukturen müssen mit höchster Sensibilität im Umgang mit Daten, sei es der Kund*innen, sei es der Mitarbeitenden, betrieben werden. Mit Blick auf Letztere muss die Mitbestimmung ebenfalls geschärft und für zukünftige Herausforderungen wie die digitale Transformation gerüstet werden. Eine langfristige, stabile und auskömmliche Finanzierung der öffentlichen Hand ermöglicht dauerhaft eine adäquate integrale Verkehrsplanung und -gestaltung. Bei all dem ist gut qualifiziertes Personal zentral, das die Entwicklungen wesentlich mitprägt und trägt. Um dieses gewinnen und binden zu können, sind attraktive Arbeitsbedingungen und eine solide Finanzierung nötig.


UpTrain: Gibt es etwas, das du den aktuellen und zukünftigen Teilnehmenden dieser Fortbildungen abschließend mit auf den Weg geben möchtest?

Harald Kraus: Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit UpTrain kann ich allen Teilnehmenden nur zur Teilnahme gratulieren und allen anderen zur Teilnahme raten. Um ehrlich zu sein, bedauere ich ein wenig, nicht selbst noch in der Technik aktiv zu sein, um all die spannenden Neuerungen und Inhalte unmittelbar zu erleben. Darüber hinaus ist mir wichtig, dass bei aller im Einsatz befindlichen Technik Verkehr im Kern immer von Menschen erbracht wird. Daher begrüße ich, dass auch UpTrain letztlich Ausdruck der Investition in das eigene Personal darstellt. Ich wünsche allen Teilnehmenden spannende Seminarinhalte, gelingende fachliche und persönliche Entfaltung sowie eine anregende, nachhaltige Vernetzung in die Branche. Wir brauchen euch als gut qualifiziertes, motiviertes Personal und sind froh, dass wir daran gemeinsam arbeiten.


UpTrain: Vielen Dank für das Interview!


Interviewpartner

Harald Kraus

Harald Kraus ist ehemaliger Betriebsratsvorsitzender der KVB und jetziger Arbeitsdirekter bei DSW21. Zusätzlich engagiert er sich als Vorstandsmitglied der VDV-Akademie e.V. und hat den Vorsitz im Beirat des InnoVET-Projekts UpTrain inne.